Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Irenäus Eibl-Eibesfeldt


             
Stand: 2014        


Vita

 

geb. 15.6.1928 in Wien

Position:   Prof. emeritus; Ordentliches Mitglied des Humanwissenschaftlichen Zentrums (HWZ) der Ludwig-Maximilians-Universität; apl. Prof. für Zoologie an der Ludwig-Maximilians-Universität in München; bis 2014 Leiter des Humanethologischen Filmarchivs in der Max-Planck-Gesellschaft in Andechs; bis 2008 Direktor des Ludwig-Boltzmann-Institutes für Stadtethologie in Wien; bis zu seiner Emeritierung 1996 Leiter der Forschungsstelle für Humanethologie der Max-Planck-Gesellschaft

Familienstatus:   verheiratet seit 1950, zwei erwachsene Kinder

Staatsbürgerschaft:   österr.


Eibl-Eibesfeldt arbeitete die ersten zwanzig Jahre seiner wissenschaftlichen Laufbahn als Tierethologe. Er begann seine Forschungsarbeit bereits als Student 1946 auf der Biologischen Station Wilhelminenberg in Wien. Als Konrad Lorenz 1948 aus der Gefangenschaft zurückkam, schloß er sich ihm an und folgte ihm 1951, als er einen Ruf der Max-Planck-Gesellschaft erhielt, nach Deutschland. Schwerpunkte seines Interesses bildeten Fragen der Verhaltensentwicklung und die Kommunikation. Seine Experimente trugen entscheidend zur Klärung des Streits um das Angeborene im Verhalten der Säuger bei. Das Kommunikationsthema schulte ihn in der Methodik des Vergleichens und es erlaubte ihm, als Teilnehmer der beiden Xarifa-Expeditionen von Hans Hass so verschiedenartige Phänomene wie die Turnierkämpfe der Galápagos Meerechsen, die von im entdeckten Putzsymbiosen der Korallenfische und die Zeremonien der Balz und Brutablösung der Fregattvögel und flugunfähigen Kormorane unter einem gemeinsamen theoretischen Aspekt zu studieren. Eibl-Eibesfeldt erarbeitete sich in dieser Zeit die theoretischen Grundlagen der Ethologie und präsentierte diese in dem ersten umfassenden Lehrbuch dieses Faches - einem Grundriß der vergleichenden Verhaltensforschung - der mittlerweile in der 9. Auflage und in mehreren Übersetzungen vorliegt. In die zoologische Phase fällt auch die von ihm initiierte und geführte UNESCO-Expedition zu den Galápagos-Inseln (1957), die zur Gründung einer biologischen Station führte.

In den sechziger Jahren begann Eibl-Eibesfeldt mit dem Aufbau eines kulturenvergleichenden Dokumentationsprogrammes in Film und Ton zur Aufdeckung von Universalien im menschlichen Sozialverhalten. Dazu nahm er mit einer Technik der unobtrusiven Aufnahme das ungestellte Alltagsverhalten und die Rituale von Menschen in traditionellen Kulturen in Afrika, Indonesien, Neuguinea, Polynesien und Südamerika auf. Als Ergebnis dieser Forschungen entwickelte sich die Humanethologie als selbständiger Forschungszweig, der in der Forschungsstelle für Humanethologie der Max-Planck-Gesellschaft gefördert wurde. In einem Grundriß der Humanethologie stellte er das neue Gebiet 1984 vor (5. Auflage 2004).

Nachdem es nun erwiesen ist, daß auch das Wahrnehmen und Handeln des Menschen durch stammesgeschichtliche Vorprogrammierungen entscheidend mitbestimmt werden, gilt seine Forschung nunmehr der Klärung der Frage, wie der Mensch in seinem Bemühen, sich kulturell an die Neuzeit anzupassen, mit diesen ihm angeborenen Vorgaben umgeht. Die stammesgeschichtlichen Anpassungen, die ihn auszeichnen, entwickelten sich ja in jener langen Zeit, in der seine Ahnen als altsteinzeitliche Wildbeuter in individualisierten Kleingesellschaften lebten. Als höchst erfolgreiche Spezies schufen wir uns die anonyme Großgesellschaft, die technische Zivilisation und die Großstadt, und damit eine Umwelt, die uns zwar ungeahnte neue Möglichkeiten eröffnet, zugleich aber auch Probleme beschert, da manche unserer Anlagen nicht zu den neuen Lebensbedingungen passen. Diese Problemanlagen, zu denen unser Kurzzeitdenken ebenso wie unser Machtstreben gehören, gilt es aufzudecken, um mit ihnen umgehen zu können. Damit beschreitet Eibl-Eibesfeldt ein neues Arbeitsgebiet, das interdisziplinäre Zusammenarbeit erfordert. Im Rahmen dieser kulturethologischen Forschungen erarbeitete er jüngst mit einer Kunsthistorikerin ein grundlegendes Werk zur Ethologie der Kunst (2007).

Mit der Erforschung der Anpassungsschwierigkeiten der Großstadtmenschen befaßt sich eine Forschergruppe in dem von ihm in Wien gegründeten Ludwig-Boltzmann-Institut für Stadtethologie. In München bemühte sich eine interdisziplinäre Kommission, der er angehörte, um die Einrichtung eines humanwissenschaftlichen Zentralinstituts mit dem Anliegen, die Kulturwissenschaften mit den biologischen Wissenschaften zusammenzuführen. Das Humanwissenschaftliche Zentralinstitut existiert seit Anfang 1998.

Bereits früh setzte sich Eibl-Eibesfeldt für die Erhaltung der natürlichen Ökosysteme ein. Nach seiner Rückkehr von der Xarifa-Expedition erarbeitete er 1955 ein Memorandum für die UNESCO und IUCN mit Vorschlägen zum Schutz der bedrohten Galápagos-Fauna und Flora. Im Auftrag der UNESCO bereiste er die Inseln 1957. Seine Initiative führte zur Gründung der Charles Darwin Station auf den Inseln und zur Einrichtung von Schutzgebieten, die sich bis heute bewähren. Mit der Frage, warum wir Natur lieben und dennoch zerstören beschäftigt sich eines seiner letzten Bücher. Gegenwärtig arbeitet er zu Fragen der Kulturethologie.


Publikationen


Einige Mitgliedschaften:

seit:

1957    Deutsche Zoologische Gesellschaft

1959    Gründungsmitglied der Charles Darwin Foundation for the Galápagos (1962 Executive Council)

1963    Korrespondierendes Mitglied der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung

1972    Gründungsmitglied der International Society for Research on Aggression

1972    Gründungsmitglied der International Society for Human Ethology (Exekutivkomitee 1978 - 1982; Präsident 1985 - 1991)

1977    Mitglied der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina

1978    Gründungsmitglied des PEN-Club Liechtenstein

1979    Mitglied der Australian Forensic Society

1980    Gründungsmitglied der Konrad-Lorenz-Gesellschaft für Umwelt- und Verhaltenskunde

1983    The Jane Goodall Institute for Wildlife, Research, Education & Conservation (Program Review Council)

1985    korrespondierendes Mitglied der Namibia Wissenschaftlichen Gesellschaft

1987    Fellow of the American Association for the Advancement of Sciences

1988    Mitglied der Polnischen Akademie für Sexualforschung (Academia Scientia Sexuologicae Polonia)

1990    Gründungsmitglied der Academia Scientiarum et Artium Europaea

1990    Beiratsmitglied des Konrad-Lorenz-Instituts für Kognitionsforschung in Altenberg

1991    Mitglied des wissenschaftlichen Beirats der ÖAMTC-Akademie

1991 - 2008   Begründer und wissenschaftlicher Direktor des Ludwig-Boltzmann-Instituts für Stadtethologie in Wien

1993    Beiratsvorsitzender der Peter und Traudl Engelhorn Stiftung zur Förderung der Biotechnologie und Gentechnik

1997    Gründungsmitglied des Humanwissenschaftlichen Zentrums (HWZ) der Ludwig-Maximilians-Universität München

1998    Beiratsmitglied der Heinz Sielmann Stiftung

1998    Ehrenmitglied der Österreichisch-Bayerischen Gesellschaft in München

1998    Mitglied der Deutschland-Stiftung e.V.


sowie Mitgliedschaften in zahlreichen anderen wissenschaftlichen Organisationen und Gesellschaften wie der Animal Behavior Society, Gesellschaft für Anthropologie (1968), Gesellschaft für bedrohte Völker (1977), Deutsche Liga für das Kind (ehem. Kuratoriumsmitglied), Arbeitsgemeinschaft für Ethnomedizin (1978), Ethologische Gesellschaft (1980), u.a.m.


Auszeichnungen:

1971    Goldene Bölsche Medaille der Kosmos-Gesellschaft für Verdienste um die Verbreitung naturwissenschaftlicher Erkenntnisse

1981    Burda-Preis für Kommunikationsforschung (in medias res)

1988    Philip Morris Forschungspreis für Projektentwicklung des neuen Fachgebietes Humanethologie

1989    Goldene Ehrenmedaille der Stadt Wien

1993    Tauchpionierpreis des Tauchclubs Salzkammergut International

1994    Verleihung der Ehrendoktorwürde für Philosophie der Universität Salamanca, Spanien

1995    Großes Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland

1996    Nationalparklibelle in Gold mit Rubinen und Brillianten für außerordentliche Verdienste um den internationalen Naturschutz, verliehen von der Nationalpark-Akademie Donau-Auen des Naturhistorischen Museums Wien

1996    Schwenk'scher Umweltpreis der Stadt Ebersberg

1997    Goldener Bratspieß der Chaîne des Rôtisseurs Bailliage de Haute-Bavière

1997    Gold-Medaille der Dres. Haackert Stiftung, verliehen für hervorragende Verdienste um die Erforschung des menschlichen Verhaltens

1997    Bayerischer Verdienstorden, verliehen durch den Bayerischen Ministerpräsidenten Dr. E. Stoiber.

1997    Jahrespreis der Stiftung für Abendländische Ethik und Kultur (STAB) aus Zürich.

1998    Österreichisches Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst I. Klasse

1998    Inge und Werner Grüter-Preis für Wissenschaftpublizistik für seine Verdienste um die Meeresbiologie und Riffforschung

1999    "Premio Catedra Santiago Grisolía" für die Verdienste um die Erforschung der Ethologie des Menschen und der Aggressivität; Centro Reina Sofía, Valencia, Spanien

2001    Große Goldene Peutinger Medaille

2001    Ehrenpreis der Heinz Sielmann Stiftung für den Einsatz für den Naturschutz, vor allem auf den Galápagos-Inseln

2003    Goldenes Ehrenzeichen für Verdienste um das Land Wien

2005    Verleihung der Ehrendoktorwürde für Psychologie der Universität Bologna, Italien

2007    Orden Nacional Al Mérito de la Republica del Ecuador en Grado de Comendador (Verdienstorden der Republik Ecuador), Quito, Ecuador

2011    Premio Nonino Literaturpreis für sein Lebenswerk, Udine, Italien



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